Archiv für das Tag 'persönliches kindheit landleben'

ich kam zwei wochen zu früh zur welt, und auch noch ziemlich plötzlich: im rettungsauto auf der fahrt ins krankenhaus leoben.

so ein krankenhaus ist eine feine sache: dort werden kranke geheilt, dort arbeiten aufopferungsvolle sympathische menschen, dort kommen kinder zur welt, dort kann man leute kennen lernen. also lernte mein vater, als meine mutter im krankenhaus leoben mit mir im wochenbett lag, dort einen aufopferungsvollen sympathischen menschen kennen: eine hübsche krankenschwester. da der mensch ein vergleichendes wesen ist, kam mein vater schnell zu dem schluss, dass meine mutter nicht annähernd so hübsch und sympathisch sei. also wollte er mutter loswerden. das war, obwohl die ehe auch sonst nicht in größter harmonie verlief, 1953 nicht so einfach, jedenfalls aber teuer.

mein vater war kranführer bei der alpine montan in donawitz. hüttenarbeiter waren in der nachkriegszeit kleine götter. sie verdienten wie bankdirektoren und lebten gefährlich. vorne beim werkstor fuhren die bierwagen nacheinander hinein, hinten wurden die verletzten hinausgeführt.

vater beschloss meiner mutter arsen ins essen zu mischen. ob er sie umbringen wollte, weiß ich nicht. jedenfalls wurde mutter krank, und es wurde eine arsenvergiftung nachgewiesen. ein anwalt riet meiner mutter keine anzeige zu machen, damit ihre kinder nicht mit dem makel leben müssten, “einen mörder als vater zu haben”. ein blöder rat - eines anwaltes würdig. da meine mutter nicht mit ihrem potentiellen mörder weiterleben wollte, ließ sie sich scheiden. da es keine einvernehmlichen scheidungen gab, wurde sie schuldig geschieden, hatte keinen anspruch auf unterhaltzahlungen, und übersiedelte mit meinem siebenjährigen halbbruder und mir nach laa an der thaya zu ihren eltern. ich war damals ein jahr alt.

mein vater konnte seine krankenschwester heiraten, und mit ihr noch einige halbgeschwister zeugen. ich habe ihn nie wieder gesehen - zum glück.

natürlich weiß ich das alles nur aus erzählungen meiner mutter und meiner großmutter. also nicht gerade aus objektiver quelle. aber es ist meine wirklichkeit mit der ich groß geworden bin. an die 50 jahre habe ich das mit mir herumgetragen. ich habe es zu meinem geheimnis gemacht, ich denke, das hat mein leben nicht leichter gemacht. daher veröffentliche ich es hier. basta.