ich kam im alter von etwa viereinhalb jahren zur welt. also selbst für mich relativ spät. ich wachte auf, es war nacht und ich lag in einem großen weißgestrichenen metallgitterbett. es waren noch andere gitterbetten mit schlafenden kindern in diesem raum. ich wußte nicht wo ich war, wer ich war, wie ich hierher gekommen bin. ein angenehm kühler luftzug kam von einer terrassentür, die einen spalt weit geöffnet war. ich konnte diese tür von meinem gitterbett aus erreichen. ich öffnete sie weit, in der gewissheit, hier etwas verändert zu haben, wozu ich nicht berechtigt war. meine erste handlung, an die ich mich erinnere: illegal.

an alles was vor dieser zeit war, hatte ich keine erinnerung, und die erinnerung ist bis heute, mit ausnahme einiger winziger splitter nicht wieder gekommen. von diesem tag an aber versuchte ich mich an alles zu erinnern. rekapitulierte jeden tag, jede stunde immer wieder - jahrelang.

am nächsten morgen wurde mir bewußt, dass ich in einem gebäude mit vielen anderen kindern eingesperrt war. es gab erwachsene, frauen und männer, die uns sagten, was wir zu tun hätten. ich kannte niemand, weder kinder noch erwachsene. ich erfuhr, dass wir krank waren, dass ich krank war. “krank” - das sagte mir nicht viel. wir waren hier, damit wir gesund werden sollten - natürlich nur, wenn wir brav wären. mir tat nichts weh. die kinder redeten von ihren eltern, ihren geschwistern. was war das: “eltern”, “geschwister”? ich hatte keine ahnung, war ein fremdes kind in einer fremden welt. manchmal steigt dieses gefühl noch heute in mir auf.

es war die lungenheilstätte baumgartner höhe, in die ich im alter von viereinhalb jahren mit verdacht auf tbc eingeliefert wurde. dieser verdacht konnte nie endgültig geklärt werden, es hat aber gereicht, mich ein dreiviertel jahr hinter gitter zu bringen (die fenster der anstalt waren passenderweise vergittert), und mich noch zehn jahre lang zweimal jährlich minutenlang hinter einen röntgenschirm zu stecken.

die behandlung durch die schwestern habe ich als prinzipiell schroff bis feindselig in erinnerung. die wenigen freundlichen worte waren wie seltene sonnenstrahlen, die durch eine dunkle wolkendecke drangen. die behandlung der ärzte hingegen war folter. autoritär und unsensibel zogen sie ihre schmerzhaften untersuchungen und behandlungen durch, stopften schläuche in meinen mund, gaben grob spritzen, brüllten mich an, wenn ich mich wehrte. am schlimmsten war der zahnarzt. gleissendes licht, bohren, schmerzen, unfreundliche worte, plomben, die man nach ein paar tagen wieder ausspuckte. kinder, die läuse hatten, wurden kahl geschoren. die anderen mit metallenen kämmen so brutal frisiert, dass die kopfhaut blutete. wenn kinder ob dieser behandlung zu schreien und weinen anfingen und sich nicht mehr beruhigen konnten, wurde ihnen der mund mit leukoplast zugepickt. das essen war sowohl grauenhaft, als auch monoton. paradeissauce mit zerstampften erdäpfeln waren die häufigen highlights.

ich habe noch heute mehr angst vor der behandlung als vor einer krankheit. paradeissauce verursacht mir brechreiz.

am wochenende kam meine mutter mich besuchen. das war schön. manchmal war auch meine großmutter mit, oder mein bruder. wenn sie gingen nahmen sie mich nicht mit. ich lief ihnen bis zu dem gitterzaun nach und brüllte und weinte, abe ich musste hierbleiben. wenn sie weg waren, vergaß ich schnell wieder wie sie aussahen. anfangs sogar, dass es sie überhaupt gab.

ich kann mir gesichter nicht merken. wenn ich menschen nicht in ihrer gewohnten umgebung treffe, bin ich mir nicht sicher, ob sie es sind, oder nur menschen, die so ähnlich aussehen. wenn ich sicherheitshalber grüße, sind es meist fremde.

für jüngere menschen: das hier beschriebene passierte nicht ende des 19. jahrhunderts sondern 1957/58, im aufblühenden nachkriegsösterreich. ich denke, heute werden kinder in medizinischen einrichtungen besser behandelt, bei der altenbetreuung bin ich allerdings eher skeptisch.

wie bei allen wichtigen dingen des lebens ordentlich verspätet, habe ich mir eine midlife-crisis zugelegt. die ist zwar nicht sonderlich amüsant, füllt den tag aber trotzdem ordentlich aus. dieses dumpfe gefühl, da müsste ja noch was kommen - ja vielleicht sogar das wesentliche! - kämpft mit der einsicht, dass ausser den bandscheiben nicht mehr viel vorfallen wird. momentan versuche ich, die sache durch depressive untätigkeit voranzutreiben, hege aber den festen vorsatz nach einer angemessenen zeit des brütens in sinnlose aktivitäten zu verfallen. aber in welche?

aus der einschlägigen literatur weiss ich, dass einmal kurz zigaretten holen gehen, um nie wieder zu kommen, dafür aber ungeahnte abenteuer in weiter ferne zu erleben, angemessen wäre. aber dafür in meinem alter noch zu rauchen anfangen? ich weiß nicht …

sich sinn- und völlig hoffnungslos verlieben wäre noch eine alternative. aber das wär auch nichts neues, so war es ja meistens.

jüngere kollegen kaufen sich in dieser situation gerne ein motorrad. mein bedürfnis an zweirädern ist aber mit einem nochmaligen anschauen von easy rider ausreichend abgedeckt. was tun? falls die energie reicht, halte ich euch auf dem laufenden …

Administrator

facebook

karl_facebook

da ich mich bemühe, ein guter staatsbürger zu sein, nehme ich staatspolizei - und anderen an persönlichen daten interessierten - etwas mühe ab, und beteilige mich an der plattform facebook. das ist einerseits nicht schwierig, andererseits von überschaubarem nutzen. jedenfalls hat es den vorteil, dass man noch etwas mehr zeit vor dem computer verbringt, um hier eine virtuelle nähe herzustellen, für die man im realen leben keine zeit mehr hat, weil man ja dauernd vor dem computer hockt.

es könnte ja sein, dass der eine oder die andere, die dieses hier lesen, auch facebook-userInnen sind. da wärs nett, wenn ich euch als freundInnen meinem facebook-profil hinzufügen könnte, und so etwas mehr über die besucherInnen meiner seite zu erfahren. und umgekehrt. (über “freunde finden” den karl berger mit obigem profilbild suchen.


Administrator

weihnachtszeichnungen

aus aktualitätsgründen hier eine kleine sammlung der bisher hier erschienenen cartoons die irgendwas mit weihnachten zu tun haben:

weihnacht 00


weihnachten in betlehem

 

den schlitten vorfahren

 

rudi rote nase

 

weihnachtsgaense

 

afrikanische weihnachten

Administrator

wieder da

aus persönlichen gründen war es mir in den letzten wochen nicht möglich meine homepage zu betreuen. ich hoffe in nächster zeit hier wieder regelmäßig neue sachen veröffentlichen zu können. immerhin waren die wochen ohne neue veröffentlichungen die mit den höchsten zugriffszahlen seit bestehen dieser seite. das sollte mir zu denken geben. nur: was?

Administrator

liebe amerikaner,…

ich muss mich entschuldigen. oft habe ich euch in den letzten jahren grob verallgemeinernd “trottelvolk” genannt. das war weder fein, noch habe ich es wirklich so gemeint, denn ich denke nicht, dass es ein amerikanisches “volk” gibt, und schon gar nicht, dass die bevölkerung eines landes generell bestimmte eigenschaften teilt, die sie von den bevölkerungen anderer staaten unterscheidet. 

aber im ärger darüber, dass ein präsident, der durch wahlbetrug an die macht gekommen ist, und im amt erwartungsgemäß als reaktionärer gedankenzwerg agiert hat, mit einer satten mehrheit wiedergewählt wurde, lässt man schon mal das herz und nicht den verstand sprechen.

und jetzt das: obama gewählt! bush-system abgewählt, zum ersten mal ein schwarzer - nein besser noch, ein halb schwarz und halb weißer – präsident gewählt. noch dazu ein relativ liberaler, der sein wahlkampfbudget vielen kleineren spendern verdankt und nicht direkt am gängelband der öl- und rüstungsindustrie zappelt. da habt ihr einmal etwas gut gemacht, amerikaner!

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