das schöne am wahlergebnis: die braunen, mit ihren zwei parteien, haben zusammen weniger als 18 % bekommen. offensichtlich besteht ihr wählerpotential, das zur zeit gegen 30 % tendieren dürfte, doch zu einem gutteil aus eher apolitischen protestwählern, die diesmal lieber martin gewählt haben. strache dürfte mit seinem abendlandrettenden kreuzauftritt auch etwas überzogen haben.

das schlechte am wahlergebnis: erstens konnte die unternehmerpartei övp trotz verlusten mit abstand zur nummer eins werden, obwohl ihr spitzenkandidat strasser in den medien unglaublich arrogant rüberkam. 

zweitens hat die kronen-zeitung ihre macht eindrucksvoll demonstriert. spö plus kronen-zeitung: 29,3 %  (nationalratswahl 2008) spö ohne krone 23,8 %,: einmann-partei martin mit krone: 17,9 %

die kronen zeitung kann also vermutlich zwischen 5 bis 10 prozent der wählerstimmen bewegen. das wird kronen-liebling michael häupl sicher nicht übersehen, und auf äußerungen häupls, die hans dichand stören könnten, werden wir wohl vergeblich warten.

die persönliche andienerei von spö-granden an dichand mag zwar die eine oder andere wahl retten. tendenziell führt das aber zu einer inhaltlichen annäherung der sp an die fp bzw bzö, da die positionen der kronen-zeitung, die die grundlage dieser anbiederung bilden, prinzipiell rechtspopulistisch sind. letztlich werden dadurch immer größere teile der spö-wählerschaft an die rechtspopulistischen parteien herangeführt. das ist das kronen-dilemma der sp: ohne kronen-zeitung verliert sie kurzfristig, mit kronen-zeitung mittel- und langfristig.

ich kam zwei wochen zu früh zur welt, und auch noch ziemlich plötzlich: im rettungsauto auf der fahrt ins krankenhaus leoben.

so ein krankenhaus ist eine feine sache: dort werden kranke geheilt, dort arbeiten aufopferungsvolle sympathische menschen, dort kommen kinder zur welt, dort kann man leute kennen lernen. also lernte mein vater, als meine mutter im krankenhaus leoben mit mir im wochenbett lag, dort einen aufopferungsvollen sympathischen menschen kennen: eine hübsche krankenschwester. da der mensch ein vergleichendes wesen ist, kam mein vater schnell zu dem schluss, dass meine mutter nicht annähernd so hübsch und sympathisch sei. also wollte er mutter loswerden. das war, obwohl die ehe auch sonst nicht in größter harmonie verlief, 1953 nicht so einfach, jedenfalls aber teuer.

mein vater war kranführer bei der alpine montan in donawitz. hüttenarbeiter waren in der nachkriegszeit kleine götter. sie verdienten wie bankdirektoren und lebten gefährlich. vorne beim werkstor fuhren die bierwagen nacheinander hinein, hinten wurden die verletzten hinausgeführt.

vater beschloss meiner mutter arsen ins essen zu mischen. ob er sie umbringen wollte, weiß ich nicht. jedenfalls wurde mutter krank, und es wurde eine arsenvergiftung nachgewiesen. ein anwalt riet meiner mutter keine anzeige zu machen, damit ihre kinder nicht mit dem makel leben müssten, “einen mörder als vater zu haben”. ein blöder rat - eines anwaltes würdig. da meine mutter nicht mit ihrem potentiellen mörder weiterleben wollte, ließ sie sich scheiden. da es keine einvernehmlichen scheidungen gab, wurde sie schuldig geschieden, hatte keinen anspruch auf unterhaltzahlungen, und übersiedelte mit meinem siebenjährigen halbbruder und mir nach laa an der thaya zu ihren eltern. ich war damals ein jahr alt.

mein vater konnte seine krankenschwester heiraten, und mit ihr noch einige halbgeschwister zeugen. ich habe ihn nie wieder gesehen - zum glück.

natürlich weiß ich das alles nur aus erzählungen meiner mutter und meiner großmutter. also nicht gerade aus objektiver quelle. aber es ist meine wirklichkeit mit der ich groß geworden bin. an die 50 jahre habe ich das mit mir herumgetragen. ich habe es zu meinem geheimnis gemacht, ich denke, das hat mein leben nicht leichter gemacht. daher veröffentliche ich es hier. basta.

als mein großvater unerwartet verstarb, hinterließ er einen berg schulden. großmutter konnte die schulden nicht zahlen. also musste das haus in dem wir alle wohnten versteigert werden. bekannte hatten eine idee: großmutter verkauft ihnen das haus zum (niedrigen) ausrufungspreis, kann damit die schulden zahlen, und wir können weiter dort wohnen, gegen eine minimale miete. ein plan der zur hälfte aufging: großmutter verkaufte ihnen das haus zum ausrufungspreis. die andere hälfte ging nicht auf. am nächsten tag hieß es von den befreundeten käufern: das haus brauchen wir doch selbst, ihr müßt raus! also standen meine großmutter, mein lungenkranker onkel emil, meine mutter, mein bruder und ich auf der straße.

meine großmutter tat, was alle landbewohner in solchen situationen tun. sie fuhr nach wien, um eine wohnung und eine arbeit zu suchen. damals waren die mieten niedrig, aber ohne illegale ablöse gab es keinen mietvertrag. die suche war erfolglos. meine katholische großmutter ging, als ihr geld und ihre zeit fast verbraucht waren, in die rudolfsheimer kirche, um zu ihren gott zu beten und zu beichten. der pfarrer wußte rat. bei einer gläubigen hausbesitzerin war ein hausbesorgerposten frei. das war beides: arbeit (wenn auch minimal bezahlt) und wohnen (28 quadratmeter, für fünf personen eher knapp). da musste die hand gottes im spiel gewesen sein. großmutters glaube wurde zur gewissheit, religion nahm einen dominanter werdenden platz ein.

wir zogen nach wien, und wohnten elf jahre in dieser wohnung. wir waren privilegiert: wir hatten ein eigenes klo. dazu gab es noch eine küche und ein kleines zimmer, beides nicht hell aber dafür feucht. in der küche stand auch die nähmaschine meiner mutter. mutter hatte einen job als büglerin in einer kleinen schneiderei gefunden. anfangs 48 wochenstunden, dann 45, am ende nur mehr 40 stunden. wenn sie nach hause kam, setzte sie sich zur nähmaschine und nähte noch einige stunden für private kunden. schließlich war sie schneiderin und wir brauchten das geld, büglerinnen wurden erbärmlich bezahlt. das platzproblem lösten wir durch bettbänke und einem klappbett, später leisteten wir uns ein stockbett.

bei geschiedenen kindern hatte das jugendamt (die “fürsorge”) die vormundschaft. ein- bis zweimal im jahr kam die fürsorgerin zur kontrolle. ich fürchtete immer, dass sie mich in ein heim stecken würde. aber meist kommentierte sie, nachdem sie mit den finger über die kastenkanten gefahren war um auf staub zu prüfen: “ein bisserl eng alles, aber sehr reinlich”. ob ich von meinem heilstättenaufenthalt traumatisiert war, interessierte sie nicht, hauptsache reinlich.

Administrator

noch ein regenwaldbild

regenwaldschirme

Administrator

regenwald macht stadturlaub

eine kleine zeichnung zwischen illustration und cartoon:

regenwaldhochhaus

zum vergrößern anklicken

großvater hatte einen traum. der ging tatsächlich in erfüllung. blöderweise war es ein alptraum:

von meinem ersten bis zu meinem 4 lebensjahr wohnte ich in laa an der thaya. das liegt an der tschechischen grenze, die damals noch eiserner vorhang hieß. geschichten, nach denen bauern samt traktor von den tschechen über die grenze entführt wurden, waren allgegenwärtig.

laa hatte ein prächtiges rathaus inmitten eines herausgeputzten hauptplatzes. die rückseiten der hauptplatzhäuser hingegen waren überhaupt nicht herausgeputzt. dort befanden sich große tore, durch die man mit dem traktor direkt auf staubigen feldwegen zu den rüben- und erdäpfelfeldern fahren konnte. überall stank es: nach kanal und zuckerrüben. eine sterbende grenzstadt in einer öden gegend. ich möchte dort nicht begraben sein, dachte ich später immer, wenn ich teile meiner sommerferien dort verbringen musste. heute ist die grenze offen und laa nennt sich therme. ich möchte dort trotzdem nicht begraben werden.

meine mutter war mit ihren zwei kindern nach der scheidung von meinem vater wieder nach laa zu ihren eltern gezogen. mein großvater war elektriker und der familienerhalter. er war ein begeisterter zeichner und ein pragmatischer sozialist. großmutter kam aus einer bauernfamilie und war katholisch konservativ. nachdem großvater jahrelang im laaer e-werk gearbeitet hatte, fasste er anfangs der fünfziger jahre mut, machte schulden und sich damit selbständig.

das geschäft lief gut, großvater war beliebt und bekam zahlreiche aufträge. er fuhr zu diesen arbeiten immer mit dem rad. öfter wurde es spät abends bis er mit der arbeit fertig war. an einem dieser abende herrschte ein sauwetter und der weg von dem dorf, wo großvater arbeitete, nach hause war recht weit. ein bekannter hielt mit seinem auto an, und bot großvater an, ihn nach hause zu bringen. angesichts des schlechten wetters ließ großvater sein rad stehen und stieg ein. er saß zum ersten mal in seinem leben in einem auto.

der bekannte hatte einiges getrunken - das sah man damals noch lockerer als heute – und fuhr gegen den nächstbesten alleeebaum. großvater war tod. der lenker nicht, der war sogar so gesund, dass er nach hause laufen konnte und sich so lange einsperrte, bis er wieder nüchtern war. am land drehte man wegen solchen sachen keinem einen strick.

und genau das hatte mein großvater oft gesagt: “wenn ich einmal in ein auto steige, werde ich dabei sterben. das hat mir geträumt.” und obwohl er rationalist war, hatte er es doch bis zu jenem abend vermieden, sich in ein auto zu setzen.

« Vorherige Einträge - Nächste Einträge »