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ausgebrannt …

burnout… das trifft ja nur lehrerInnen und sozialarbeiterInnen,  jedenfalls andere, sicher nicht mich.

und dann sitz ich da, schau den bildschirm an und weiß, ich müsst nur mehr ein paar texte und bilder verschieben und die zeitung wär fertig. aber aus irgend einem grund geht es nicht. vielleicht etwas später … vielleicht morgen, ja, morgen sicher, ist ja geschwind gemacht. und dann dauert es mit müh und not eine woche … ja verdammt, und ich habe ja auch schon fast drei jahre lang kein buch mehr gelesen … bin immer müd, kann aber nicht gscheit schlafen …

und dann treff ich eine freundin, die seit längerem mit burnout-syndrom im krankenstand ist. sie redet über sich und mir kommt vor, sie beschreibt mich …

handeln, auch wenns schwer fällt … erholen, therapie, alles streichen, was nicht unbedingt notwendig ist.

und daher habe ich diese seite mehr als ein halbes jahr brach liegen lassen. aber jetzt wird es wieder zeit

das schöne am wahlergebnis: die braunen, mit ihren zwei parteien, haben zusammen weniger als 18 % bekommen. offensichtlich besteht ihr wählerpotential, das zur zeit gegen 30 % tendieren dürfte, doch zu einem gutteil aus eher apolitischen protestwählern, die diesmal lieber martin gewählt haben. strache dürfte mit seinem abendlandrettenden kreuzauftritt auch etwas überzogen haben.

das schlechte am wahlergebnis: erstens konnte die unternehmerpartei övp trotz verlusten mit abstand zur nummer eins werden, obwohl ihr spitzenkandidat strasser in den medien unglaublich arrogant rüberkam. 

zweitens hat die kronen-zeitung ihre macht eindrucksvoll demonstriert. spö plus kronen-zeitung: 29,3 %  (nationalratswahl 2008) spö ohne krone 23,8 %,: einmann-partei martin mit krone: 17,9 %

die kronen zeitung kann also vermutlich zwischen 5 bis 10 prozent der wählerstimmen bewegen. das wird kronen-liebling michael häupl sicher nicht übersehen, und auf äußerungen häupls, die hans dichand stören könnten, werden wir wohl vergeblich warten.

die persönliche andienerei von spö-granden an dichand mag zwar die eine oder andere wahl retten. tendenziell führt das aber zu einer inhaltlichen annäherung der sp an die fp bzw bzö, da die positionen der kronen-zeitung, die die grundlage dieser anbiederung bilden, prinzipiell rechtspopulistisch sind. letztlich werden dadurch immer größere teile der spö-wählerschaft an die rechtspopulistischen parteien herangeführt. das ist das kronen-dilemma der sp: ohne kronen-zeitung verliert sie kurzfristig, mit kronen-zeitung mittel- und langfristig.

als mein großvater unerwartet verstarb, hinterließ er einen berg schulden. großmutter konnte die schulden nicht zahlen. also musste das haus in dem wir alle wohnten versteigert werden. bekannte hatten eine idee: großmutter verkauft ihnen das haus zum (niedrigen) ausrufungspreis, kann damit die schulden zahlen, und wir können weiter dort wohnen, gegen eine minimale miete. ein plan der zur hälfte aufging: großmutter verkaufte ihnen das haus zum ausrufungspreis. die andere hälfte ging nicht auf. am nächsten tag hieß es von den befreundeten käufern: das haus brauchen wir doch selbst, ihr müßt raus! also standen meine großmutter, mein lungenkranker onkel emil, meine mutter, mein bruder und ich auf der straße.

meine großmutter tat, was alle landbewohner in solchen situationen tun. sie fuhr nach wien, um eine wohnung und eine arbeit zu suchen. damals waren die mieten niedrig, aber ohne illegale ablöse gab es keinen mietvertrag. die suche war erfolglos. meine katholische großmutter ging, als ihr geld und ihre zeit fast verbraucht waren, in die rudolfsheimer kirche, um zu ihren gott zu beten und zu beichten. der pfarrer wußte rat. bei einer gläubigen hausbesitzerin war ein hausbesorgerposten frei. das war beides: arbeit (wenn auch minimal bezahlt) und wohnen (28 quadratmeter, für fünf personen eher knapp). da musste die hand gottes im spiel gewesen sein. großmutters glaube wurde zur gewissheit, religion nahm einen dominanter werdenden platz ein.

wir zogen nach wien, und wohnten elf jahre in dieser wohnung. wir waren privilegiert: wir hatten ein eigenes klo. dazu gab es noch eine küche und ein kleines zimmer, beides nicht hell aber dafür feucht. in der küche stand auch die nähmaschine meiner mutter. mutter hatte einen job als büglerin in einer kleinen schneiderei gefunden. anfangs 48 wochenstunden, dann 45, am ende nur mehr 40 stunden. wenn sie nach hause kam, setzte sie sich zur nähmaschine und nähte noch einige stunden für private kunden. schließlich war sie schneiderin und wir brauchten das geld, büglerinnen wurden erbärmlich bezahlt. das platzproblem lösten wir durch bettbänke und einem klappbett, später leisteten wir uns ein stockbett.

bei geschiedenen kindern hatte das jugendamt (die “fürsorge”) die vormundschaft. ein- bis zweimal im jahr kam die fürsorgerin zur kontrolle. ich fürchtete immer, dass sie mich in ein heim stecken würde. aber meist kommentierte sie, nachdem sie mit den finger über die kastenkanten gefahren war um auf staub zu prüfen: “ein bisserl eng alles, aber sehr reinlich”. ob ich von meinem heilstättenaufenthalt traumatisiert war, interessierte sie nicht, hauptsache reinlich.

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noch ein regenwaldbild

regenwaldschirme

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regenwald macht stadturlaub

eine kleine zeichnung zwischen illustration und cartoon:

regenwaldhochhaus

zum vergrößern anklicken

großvater hatte einen traum. der ging tatsächlich in erfüllung. blöderweise war es ein alptraum:

von meinem ersten bis zu meinem 4 lebensjahr wohnte ich in laa an der thaya. das liegt an der tschechischen grenze, die damals noch eiserner vorhang hieß. geschichten, nach denen bauern samt traktor von den tschechen über die grenze entführt wurden, waren allgegenwärtig.

laa hatte ein prächtiges rathaus inmitten eines herausgeputzten hauptplatzes. die rückseiten der hauptplatzhäuser hingegen waren überhaupt nicht herausgeputzt. dort befanden sich große tore, durch die man mit dem traktor direkt auf staubigen feldwegen zu den rüben- und erdäpfelfeldern fahren konnte. überall stank es: nach kanal und zuckerrüben. eine sterbende grenzstadt in einer öden gegend. ich möchte dort nicht begraben sein, dachte ich später immer, wenn ich teile meiner sommerferien dort verbringen musste. heute ist die grenze offen und laa nennt sich therme. ich möchte dort trotzdem nicht begraben werden.

meine mutter war mit ihren zwei kindern nach der scheidung von meinem vater wieder nach laa zu ihren eltern gezogen. mein großvater war elektriker und der familienerhalter. er war ein begeisterter zeichner und ein pragmatischer sozialist. großmutter kam aus einer bauernfamilie und war katholisch konservativ. nachdem großvater jahrelang im laaer e-werk gearbeitet hatte, fasste er anfangs der fünfziger jahre mut, machte schulden und sich damit selbständig.

das geschäft lief gut, großvater war beliebt und bekam zahlreiche aufträge. er fuhr zu diesen arbeiten immer mit dem rad. öfter wurde es spät abends bis er mit der arbeit fertig war. an einem dieser abende herrschte ein sauwetter und der weg von dem dorf, wo großvater arbeitete, nach hause war recht weit. ein bekannter hielt mit seinem auto an, und bot großvater an, ihn nach hause zu bringen. angesichts des schlechten wetters ließ großvater sein rad stehen und stieg ein. er saß zum ersten mal in seinem leben in einem auto.

der bekannte hatte einiges getrunken – das sah man damals noch lockerer als heute – und fuhr gegen den nächstbesten alleeebaum. großvater war tod. der lenker nicht, der war sogar so gesund, dass er nach hause laufen konnte und sich so lange einsperrte, bis er wieder nüchtern war. am land drehte man wegen solchen sachen keinem einen strick.

und genau das hatte mein großvater oft gesagt: “wenn ich einmal in ein auto steige, werde ich dabei sterben. das hat mir geträumt.” und obwohl er rationalist war, hatte er es doch bis zu jenem abend vermieden, sich in ein auto zu setzen.

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