großvater hatte einen traum. der ging tatsächlich in erfüllung. blöderweise war es ein alptraum:

von meinem ersten bis zu meinem 4 lebensjahr wohnte ich in laa an der thaya. das liegt an der tschechischen grenze, die damals noch eiserner vorhang hieß. geschichten, nach denen bauern samt traktor von den tschechen über die grenze entführt wurden, waren allgegenwärtig.

laa hatte ein prächtiges rathaus inmitten eines herausgeputzten hauptplatzes. die rückseiten der hauptplatzhäuser hingegen waren überhaupt nicht herausgeputzt. dort befanden sich große tore, durch die man mit dem traktor direkt auf staubigen feldwegen zu den rüben- und erdäpfelfeldern fahren konnte. überall stank es: nach kanal und zuckerrüben. eine sterbende grenzstadt in einer öden gegend. ich möchte dort nicht begraben sein, dachte ich später immer, wenn ich teile meiner sommerferien dort verbringen musste. heute ist die grenze offen und laa nennt sich therme. ich möchte dort trotzdem nicht begraben werden.

meine mutter war mit ihren zwei kindern nach der scheidung von meinem vater wieder nach laa zu ihren eltern gezogen. mein großvater war elektriker und der familienerhalter. er war ein begeisterter zeichner und ein pragmatischer sozialist. großmutter kam aus einer bauernfamilie und war katholisch konservativ. nachdem großvater jahrelang im laaer e-werk gearbeitet hatte, fasste er anfangs der fünfziger jahre mut, machte schulden und sich damit selbständig.

das geschäft lief gut, großvater war beliebt und bekam zahlreiche aufträge. er fuhr zu diesen arbeiten immer mit dem rad. öfter wurde es spät abends bis er mit der arbeit fertig war. an einem dieser abende herrschte ein sauwetter und der weg von dem dorf, wo großvater arbeitete, nach hause war recht weit. ein bekannter hielt mit seinem auto an, und bot großvater an, ihn nach hause zu bringen. angesichts des schlechten wetters ließ großvater sein rad stehen und stieg ein. er saß zum ersten mal in seinem leben in einem auto.

der bekannte hatte einiges getrunken - das sah man damals noch lockerer als heute – und fuhr gegen den nächstbesten alleeebaum. großvater war tod. der lenker nicht, der war sogar so gesund, dass er nach hause laufen konnte und sich so lange einsperrte, bis er wieder nüchtern war. am land drehte man wegen solchen sachen keinem einen strick.

und genau das hatte mein großvater oft gesagt: “wenn ich einmal in ein auto steige, werde ich dabei sterben. das hat mir geträumt.” und obwohl er rationalist war, hatte er es doch bis zu jenem abend vermieden, sich in ein auto zu setzen.

Ein Kommentar zu “schön ist die jugendzeit 2: großvaters traum”

  1. milaam 29.03.2010 um 19:44

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