alles was ich über die zeit vor meinem heilstättenaufenthalt weiß, ist mir nur aus erzählungen bekannt. bis auf diese einzige ausnahme:

sommer in laa an der thaya. ich bin ein kleiner hosenscheißer. stehe vor der haustür. eine nachbarin sieht mich und winkt mich heran. sie schenkt mir eine grüne ein-schilling besdorp schockolade. es ist offensichtlich ein ebenso seltenes wie freudiges ereignis. ich setze mich glücklich auf die stufe vor unserer tür. fest halte ich die kostbare schokolade in der hand. zu fest. zu lange. ich merke es erst, als die geschmolzene schokolade meine finger hinunter rinnt …

es ist vermutlich kein zufall, dass ich mich nur an diese eine episode erinnern kann. es ist ein muster, das ich in meinem leben noch öfters wiederholt habe: mich an die glücklichen ereignisse und begegnungen so zu klammern, dass sie mir wie die bensdorp-schokolade zwischen den fingern zerrinnen …

Administrator

tarnen und täuschen

am 14. märz wird in purkersdorf, wie auch in vielen anderen gemeinden niederösterreichs der gemeinderat gewählt. zum unterschied zu anderen bundesländern gibt es in niederösterreich, wien und der steiermark keine direktwahl des bürgermeisters. der gemeinderätInnen wählen den /die bürgermeisterIn.

da sich unser bürgermeister eine höhere zustimmung ausrechnet, als sie seiner partei zukommen würde, versucht er erstens seine partei, die SPÖ, im wahlkampf möglichst nicht zu erwähnen und zweitens den wählerInnen vorzugaukeln, es ginge um eine bürgermeisterwahl.

nachdem er bei der ersten plakatserie fälschlich den eindruck zu erwecken versuchte, der bundespräsident und der landeshauptmann würden seine wahl empfehlen, läßt er jetzt ein porträt mit der aufschrift plakatieren: „purkersdorf wählt seinen bürgermeister”. immerhin kommt diesmal die SPÖ auch vor, in sehr kleiner schrift, neben dem porträt, das wieder einmal eindrucksvoll zeigt, was photoshop zu leisten imstande ist.

ohne tarnen und täuschen, so scheint es, sieht der herr bürgermeister seine mehrheit schmelzen, wie die schneereste in der frühlingssonne …

Administrator

schlägt (pazifistischer) cartoonist zu?

aus der Zeitung “Österreich” vom 23.2.2010:

artikel_oesterreich

wahlplakat schloegl haider

der bürgermeister meiner heimatgemeinde purkersdorf bei wien heißt karl schlögl und ist in österreich ein bekannter mann. das liegt daran, dass er einmal innenminister war, und innerhalb der spö den ideologiefreien rechten flügel repräsentiert. so schreckt er nicht davor zurück, immer wieder dafür zu plädieren, dass sich die sozialdemokraten die option einer koalition mit der rechtsextremen fpö offenhalten sollen. weiters unterstützte er eine harte abschiebepraxis und stellte sich bei jedem der nicht seltenen polizeiskandale bedingungslos hinter die involvierten beamten. so zum Beispiel im fall “omofuma”.

in purkersdorf ist schlögl sehr beliebt, weil er fleißig ist, mit der hälfte (geschätzt) der stadtbevölkerung per du ist, und sein amt für einen permanenten wahlkampf nützt. kein geburtstag ohne einen persönlich unterschriebenen schlögl-glückwunsch, kein amtsblatt ohne zahlreiche schlögl-fotos, kein neuer mistkübel ohne feierliche eröffnung durch den bürgermeister, und kein anliegen – vom kindergartenplatz über eine verbreiterung des gehsteigs bis zur vergabe von genossenschaftswohnungen – für das man nicht beim bürgermeister persönlich vorsprechen muss. das erzeugt dankbare abhängigkeit.

in der eigenen gemeindratsfraktion ist er wegen seines unumschränkten, rücksichtslosen herrschaftsstil weniger beliebt, so sind von seinen 21 vasallinnen schon 2 zu anderen fraktionen übergelaufen und einer in die innere immigration abgetaucht. aber da schlögl stimmen bringt, erduldet man die täglichen erniedrigungen.

soviel zuwendung an die wählerInnen ist teuer, und so zählt purkersdorf zu den verschuldetsten gemeinden österreichs. dafür wird die “perle des wienerwaldes” zügig mit wohnbauten für neue dankbare wählerInnen zubetoniert. die zugezogenen – inzwischen etwa die hälfte der bevölkerung – freuen sich darüber, endlich “im grünen” zu wohnen, und müssen – zunehmend entsetzter – mit ansehen, wie purkersdorf durch die stadtflüchtlinge immer mehr wie ein teil wiens aussieht.

für die kommende gemeinderatswahl läßt schlögl prominente – vom von amts wegen überparteilichen bundespräsidenten über den der volkspartei zugehörigen landeshauptmann – aus dem zusammenhang gerissene positive statements zu seiner person plakatieren (siehe artikel aus profil 8-2010 unten). eine plakatserie, die vervollstädigt gehört, wie ich meine. daher die vorschläge oben.

aus profil 8-2010

Administrator

Noch einmal AVATAR

was mich jetzt noch immer ärgert an diesem hübschen nichts: ein film dieser preisklasse muss offenbar streng nach hollywood-kochbuch zubereitet sein.

auf wen trifft der held im urwald als erstes? eh klar, natürlich auf die tochter des häuptlings. öd!

und verlieben sie sich in einander? na was denn sonst!

worauf steuert der konflikt der völker und kulturen unerbittlich zu? selbstverständlich auf ein persönliches duell zwischen dem helden und den oberbösling.

wer will denn all diese klischees noch sehen? unfaßbarerweise millionen von menschen.

noch nie wurde die geschichte des edlen naturverbundenen wilden im kampf  gegen zivilisations-degenerierten materialistischen kolonialisten aufwendiger erzählt als im film avatar von james cameron.

aber: sie wurde schon oft erzählt. und so ist an der geschichte nichts neu. alles kommt einem vertraut und altbekannt vor. nur ist hier halt alles bunter, größer, dreidimensionaler. ich weiß, “dreidimensionaler” ist ein unwort. aber der riesenerfolg von avatar erklärt sich vor allem aus den technischen innovationen. so dreidimensional war kino noch nie! naja, wers nötig hat. mir geht’s am arsch vorbei. mir genügt die dreidimensionale illusion der normalen flachen leinwand.

da wär mir ein origineller gedanke bei dieser im grunde reaktionären “ach, wie hat uns der zivilisatorische fortschritt doch von unseren eigentlichen bedürfnissen und fähigkeiten entfremdet”-geschichte, mit der james cameron vermutlich seine eigene technik-verliebtheit kompensieren will, lieber gewesen.

trotzdem: obwohl sich der film zieht wie ein strudelteig – 166 minuten müssen erst einmal abgesessen werden – sehenswert ist er allemal. also: hirn auf sparflamme schalten, augen auf und rein ins kino, zumal ja die sonstigen weihnachts-neuerscheinungen auch eher schwächlich zu sein scheinen.

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